Gesunde Zähne beim Hund

Zahngesundheit beim Hund

Das Milchgebiss der Hundewelpen hat 28 Zähne, (Ober- und Unterkiefer je 6 Schneidezähne, 2 Fangzähne, 6 Backenzähne) diese Milchzähne sind spitzer als die vom bleibenden Hunde-Gebiss. Die Milchzähne besitzen eine vollständig ausgebildete Zahnwurzel. Zwischen dem 4. und 7. Lebensmonat findet der Zahnwechsel statt, indem die Milchzähne ausfallen und die bleibenden Zähne nachwachsen.

So erleichtern Sie ihrem Hund den Zahnwechsel

    • Geben Sie Ihrem Hund Natur-Kau-Artikel (Ochsenziemer, Rinder-Ohren, Pansen usw.), Zottel oder Kong.
    • Frische Weidenzweige wirken entzündungshemmend und schmerzstillend, stellen Sie Ihrem Hund die Zweige zum Kauen zur Verfügung.
    • Einige Hunde finden es sehr angenehm, wenn Sie mit den Fingern das juckende Zahnfleisch massieren.
    • „Osanit“ Kügelchen (Kügelchen für Babys bei Zahnprobleme, in der Apotheke erhältlich. Dosierung: 2 x tgl. 4-5 St. bzw. ½ Dosis der Menge, die für Babys gilt).
    • Verzichten Sie bitte während des Zahnwechsels auf Zerr-Spiele und achten Sie darauf, dass der Hund nicht alles anknabbert, das machen Hunde häufig. Geben Sie Ihrem Hund lieber Natur-Knabber-Stangen, damit die Möbel unbeschädigt bleiben.
    • Einige Hunde verweigern während des Zahnwechsels das Trockenfutter (Wenn Sie das an Ihrem Hund bemerken, dann weichen Sie das Futter bitte während des Zahnwechsels ein).

Das bleibende Gebiss der Hunde hat 42 Zähne. Im Oberkiefer befinden sich beim Hund 6 Schneidezähne, 2 Fangzähne, 12 Backenzähne und im Unterkiefer sind 6 Schneidezähne, 2 Fangzähne und 14 Backenzähne. Jeweils einer der Backenzähne ist besonders kräftig und wird als Reißzahn bezeichnet, der zum Zerreißen von Fleischstücken dient. Der Zahn des Hundes besteht aus drei harten Substanzen (Schmelz, Zement und Dentin) sowie einem zentralen Innenraum, indem sich die Zahnpulpa befindet und über die Wurzelspitze mit Blutgefässen, Nerven und Lymphbahnen versorgt wird.

 

Die Hundezähne haben folgende Aufgaben

Die verschiedenen Zähne beim Hund haben Aufgaben, für die sie durch ihre jeweilige Form und Beschaffenheit perfekt geeignet sind:

  • Die Fangzähne dienen bei der Jagd zum Greifen und Festhalten der Beute.
  • Die vorderen, deutlich kleineren Backenzähne bilden eine Lücke, die benötigt wird zum Festhalten der Beute.
  • Die größten Backenzähne des Ober- und Unterkiefers, die Reißzähne, dienen zum Zerkleinern der Nahrung und zum Zerschneiden größerer Fleischstücke.
  • Die hinteren Backenzähne des Hundes können kleinere bis mittelgroße Knochen zerkleinern.
  • Die kleinen, flachen Schneidezähne im Ober- und Unterkiefer ermöglichen dem Hund das Abschaben der Fleischreste vom Knochen.

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Kiefer- und Zahnfehlstellungen beim Hund

Es gibt folgende zwei Zahnfehlstellungen bei den Hunden:

Skelettale Fehlstellungen sind Entwicklungsstörungen der Kiefer, die sich in einer Verkürzung oder Verlängerung von Ober- oder Unterkiefer beim Hund äußern. Dabei ist der Unterkiefer des Hundes im Verhältnis zum Oberkiefer relativ zu lang (Vorbiss) oder zu kurz (Unterbiss). Der sogenannte Vorbiss ist jedoch beim Boxer, Pekinesen oder Mops auch ein gewolltes Rassemerkmal. Ursachen für das ungleiche Kieferwachstum sind eher selten auf Verletzungen oder Frakturen des Hundes, während des Kieferwachstums im Welpenalter zurückzuführen. Skelettale Fehlentwicklungen können von Hund zu Hund weitervererbt werden.

Dento-alveoläre Fehlstellungen sind reine Zahnfehlstellungen bei ansonsten korrekter Kieferlänge des Hundes. Dabei kann ein vorzeitiger Milchzahnverlust (Platzhalterfunktion) oder ein verspätetes Ausfallen von Milchzähnen sowie Schädigungen der Zahnkeime (Verletzungen) zu Fehlstellungen einzelner Zähne beim Hund führen.

 

Zahnerkrankungen beim Hund

Zahnerkrankungen werden beim Hund häufig erst spät erkannt - mit äußerst negativen Folgen - nicht nur für das Gebiss der betroffenen Hunde, sondern auch für die allgemeine Gesundheit des Hundes. Häufige Zahnerkrankungen bei Hunden sind:

  • Zahnfleischentzündungen (durch Plaquebakterien, d. h. vor allem durch Zahnbelag, aber auch durch Zahnstein verursacht)
  • Parodontitis (Erkrankungen des Zahnhalteapparates)
  • Entzündungen der Zahnwurzel (Apicitis, apikaler Prozess)
  • Zahnfrakturen (abgebrochener Zahn)
  • Bei Jungtieren: Probleme im Zahnwechsel (Milchzähne fallen nicht aus, brechen ab oder beissen infolge einer Fehlstellung im Kiefer ein)
  • Kieferfehlstellungen und Zahnfehlstellungen

 

Erkrankungen des Zahnhalteapparates beim Hund

Die wichtigste Ursache für den Zahnverlust beim Hund ist eine Erkrankung des Zahnhalteapparates (parodontale Erkrankung). Parodontale Erkrankungen beginnen mit der Bildung von Zahnbelag (Plaque). Durch Mineralisierungsprozesse bilden sich mit der Zeit feste Beläge, sogenannter Zahnstein am Gebiss des Hundes. Mit Fortschreiten der Entzündung werden Zahnfleisch (Gingivitis) und Zahnhalteapparat (Parodontitis) geschädigt und schließlich das knöcherne Zahnfach aufgelöst (Osteolyse). Im Endstadium lockert sich der Zahn des Hundes ganz und fällt aus.

Die Entstehung parodontaler Erkrankungen bei den Hunden unterliegt zahlreichen Einflussfaktoren, die zu einer fehlenden Selbstreinigung der Zähne durch den Kauvorgang führen. Dabei spielen neben Entwicklungsstörungen (persistierende Milchzähne, Zahn- und Kieferfehlstellungen) auch die Ernährung des Hundes (bei Weichfutter fehlende natürliche mechanische Reinigung) und Verhalten (Stein-, und Knochenbeißen) eine wichtige Rolle. Einige Hunderassen sind ganz besonders anfällig für Parodontitis.

 

Plaque und Zahnstein bein Hund

Zahnplaque ist ein weisslicher Belag auf den Zähnen, die nicht regelmäßig gereinigt werden. Zahnplaque hat etwa die Farbe wie Zahnschmelz, weshalb er vom Tierbesitzer oft nicht wahrgenommen wird. Plaque haftet am Zahn des Hundes, insbesondere dort, wo keine mechanische Reinigung durch den Kauvorgang stattfindet. Der Plaque ist eine Zusammensetzung aus Bakterien und deren Abbauprodukte, Futterreste, Eiweiße und Mineralstoffe aus dem Speichel. Wird Plaque nicht regelmässig beim Hund entfernt, bildet sich durch Einlagerung von Salzen aus dem Speichel fester Zahnstein beim Hund. Der zunächst weisse Zahnstein verfärbt sich mit der Zeit bräunlich und wird spätestens dann vom Besitzer des Hundes erkannt.

Da die Mineralien über den Speichel in die Mundhöhle gelangen, beginnt dieser Prozess in der Nähe der  Speicheldrüsen, also an der Außenseite der Backenzähne sowie der Innenseite der unteren Schneidezähne des Hundes. Auf der unregelmässigen Oberfläche des Zahnsteines haftet erneut Plaque, aus dann auch wieder Zahnstein entsteht. Zahnstein selbst ist geruchlos. Der teilweise starke Gestank aus dem Maul des Hundes zeigt, dass Zahnfleisch und die Maulhöhle bereits in Mitleidenschaft gezogen ist.

 

Gingivitis beim Hund

Eine Entzündung des Zahnfleisches beim Hund bezeichnet man als Gingivitis. Ursache einer Zahnfleischentzündung sind meistens Plaque und Zahnstein. Sie erkennen eine Gingivitis durch Rötung und Schwellung des Zahnfleisches des Hundes, sowie leicht auslösbare Blutungen am Zahnfleischrand. Durch Schädigung der Schleimhautzellen wird die Anheftung am Zahnschmelz gelockert und führt zu einer Vertiefung der Zahnfleischtaschen. Die Gewebezerstörung führt weiterhin zum Einwandern von Entzündungszellen. Gingivitis ist ein reversibler Prozess, das bedeutet, dass nach erfolgter Behandlung die Erkrankung vollständig zur Abheilung gebracht werden kann.

 

Parodontitis beim Hund

Als Parodontitis bezeichnet ein Fortschreiten de Entzündungsprozesse auf tieferliegende Teile des Zahnhalteapparates (Parodontium). Dabei  werden parodontales Ligament, Wurzelzement und Kieferknochen des Hundes mit befallen. Ein wichtiges Anzeichen für einen fortgeschrittenen Entzündungsprozess  beim Hunde ist die fortschreitende Vertiefung der Zahnfleischtasche, wobei der Zerstörungsprozess zur Zahnwurzel hin fortschreitet. Nach und nach kommt es zum Abbau des Zahnhalteapparates. Neben der Zerstörung des parodontalen Ligamentes kommt es zum Abbau des knöchernen Zahnfachs (Osteolyse). Dies führt zwangsläufig zu einer Lockerung des betroffenen Zahnes und Zahnverlust.

Anhand eines Röntgenbildes kann Ihr Tierarzt das Ausmass der Auflösungen im Knochen beurteilen. Parodontitis ist im Gegensatz zu Gingivitis irreversibel, das bedeutet eine vollständige Wiederherstellung des Zahnhalteapparates ist nicht mehr möglich.

 

Zahnstein beim Hund

Die Behandlung richtet sich nach dem Grad der parodontalen Schädigung. Zu Beginn steht eine professionelle Zahnreinigung beim Hund. Diese erfordert fast immer eine Allgemeinanaesthesie, da kaum ein Hund bei den Geräuschen und Maßnahmen zur Zahnreinigung das Maul offen halten wird. Das Entfernen von Zahnstein ohne Narkose oder aber "unter leichter Beruhigung" ist nicht nur medizinisch sinnlos, da eventuell vorhandene Parodontitis nicht mitbehandelt werden kann), sondern  auch schmerzhaft für das Tier und somit nach Tierschutz-Rechtlichen-Richtlinien relevant. Der Zahnstein kann entweder mit Hilfe von Handinstrumenten oder mit einem Ultraschallscaler entfernt werden. Wichtig bei der Verwendung von Ultraschallscalern ist eine ständige Wasserkühlung. Reicht der Zahnstein bis unter die Schmelzgrenze so ist ein zusätzliches Glätten der freiliegenden Wurzeloberflächen mit speziellen Handinstrumenten notwendig. Dies ermöglicht ein Wiederanheften von Bindegewebe beim Hund. Im Anschluss an die Wurzelglättung werden die Zahnfleischtaschen mit Chlorhexidin- oder Wasserstoffsuperoxid-Lösung gespült. Neuerdings gibt es auch Antibiotika in Form eines Gels, das in die gereinigten Zahnfleischtaschen eingebracht wird und das Anheften von Zahnfleisch begünstigt. Wegen der hohen Kosten werden sie jedoch nicht routinemäßig eingesetzt.

Stark gelockerte, nicht erhaltungswürdige Zähne des Hundes werden besser extrahiert. Nach der Entfernung des Zahnsteins bleibt eine rauhe Oberfläche zurück, die ein erneutes Anheften von Plaque und damit das Entstehen von Zahnstein beim Hunde begünstigt. Daher gehört zur professionellen Gebissreinigung immer ein anschliessendes Polieren aller Zahnoberflächen mit einer Polierpaste.

Der Einsatz von Antibiotika richtet sich nach der Schwere der Parodontalerkrankung beim Hund. Hunde mit massiven Entzündungen sollten während und nach der Behandlung Antibiotika erhalten. Manchmal ist auch eine Antibiotikagabe mehrere Tage vorher sinnvoll, um die Entzündungs,- und Blutungsneigung zu senken und eine Keimstreuung beim Hund vorzubeugen.

 

Vorbeugung Plaquereduktion beim Hund

Da Plaque bereits 2-3 Tage unter dem Einfluss von Speichel des Hundes zu Zahnstein wird, muss eine Reinigung mindestens alle 2 Tage erfolgen. Den grössten Effekt hat regelmäßiges Zähneputzen als Plaquereduktion beim Hund („Home Care“) der Zahnoberfläche. Dafür stehen Ihnen spezielle Zahnpasten mit Hunde-freundlichen Geschmacksrichtungen zur Verfügung. Diese sind auch für den Magen-Darmtrakt des Hundes unschädlich, da die Zahnpasten zu einem großen Teil verschluckt werden. Auch spezielle Zahnbürsten mit weichen Borsten und speziell geformtem Bürstenkopf und langem Stil sind für Hunde in unterschiedlichen Größen erhältlich. Wichtig ist, dass Sie Ihren Hund bereits im Welpenalter an die Zahnhygiene (Zähneputzen) gewöhnen.

Außerdem gibt es eine große Auswahl an speziellem Hundefutter für die Zahnreinigung. Als effektvoll haben sich Futter erwiesen, die aufgrund ihrer Pressart die Bildung von Plaque und Zahnstein deutlich verlangsamen. Auch Kaustreifen, Natur-Kau-Artikel wie Ochsenziemer, Rinder-Ohren, Pansen usw. fördern die mechanische Zahnreinigung ebenso wie zahlreiche spezielle Kauspielzeuge.

 

Zahnfrakturen beim Hund

Zahnfrakturen beim Hund entstehen entweder infolge des Druckes beim Kauen, beim Biss auf harte Gegenstände oder durch Verletzungen an harten Gegenständen (z.B. Auffangen von Steinen). Am häufigsten sind die Eckzähne, Schneidezähne und der Reißzahn von einer Fraktur betroffen. Besonders gefährdet sind junge Hunde.

Abhängig von den betroffenen Anteilen des Zahnes gibt es unterschiedliche Frakturtypen. Die Unterscheidung ist notwendig, um eine geeignete Behandlung durchzuführen. Dabei spielt das Alter des Hundes eine wichtige Rolle. Da beim Hund bis zum Alter von 2 Jahren noch ein erhebliches Dickenwachstum des Dentins stattfindet, sollte möglichst bei der Behandlung auf die Erhaltung der Pulpa geachtet werden, das erhält die Stabilität des Restzahnes. Da ist jedoch nur innerhalb von 72 Stunden ohne Risiko möglich ist, solange keine Infektion der Pulpa stattgefunden hat, sollte bis zur Behandlung Antibiotika verabreicht werden.WICHTIG: Hunde 2 Jahre sollten innerhalb von 72 Stunden behandelt werden!

Ab- und ausgebrochene Zähne, aber auch ausgeschlagene Zähne sind immer ein Zahn-Tierärztlicher Notfall und sollten schnellstens behandelt werden! Bewahren Sie den ausgeschlagenen Zahn bis zur Ankunft in der Praxis bitte in Milch auf. (oder in einer speziellen Lösung aus der Apotheke) auf, häufig gelingt dann eine Re-Implantierung.

 

Karies beim Hund

Zahnkaries beim Hund ist selten, da es kaum Karies-begünstigende Bakterien beim Hund gibt, aufgrund des Kohlenhydrate-reduzierten Hundefutters - und der verhältnismäßig kurzen Nutzungsdauer des Hundezahnes. Karies tritt meist an den Kau-Flächen der Zähne des Hundes auf. Wenn Karies beim Hund auftritt, wird ein vollständiges Entfernen der veränderten Zahnsubstanz unter Erhaltung des gesunden Zahn-Anteils durchgeführt. Dazu wird das meist bräunlich verfärbte und erweichte Dentin am Zahn des Hundes entfernt und der Defekt anschließend mit entsprechenden Füllmaterialien verschlossen.

Sie sollten Ihrem Hund regelmäßig ins Maul schauen und bei Auffälligkeiten dem Tierarzt vorstellen. Besonders die weichen Zahnbeläge enthalten teils aggressive Bakterien, die innerhalb kurzer Zeit auch in innere Organe abgeschwemmt werden und dort Schäden beim Hund verursachen. Am Zahn selbst sind sie nicht nur für üblen Mundgeruch verantwortlich, sondern langfristig auch für andere Gesundheitsprobleme wie z.B. ein geschwächtes Immunsystem des Hundes.

 

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