Haltung von Wasserschildkröten

Die artgerechte Haltung von Wasserschildkröten

Die artgerechte Haltung von Wasserschildkröten sollte dem natürlichen Lebensraum der entsprechenden Wasserschildkröten-Art möglichst nahe kommen. Es gibt heute noch ca. 174 verschiedene Schildkröten-Arten. Die meisten Wasserschildkröten leben primär im Wasser, brauchen aber auch die Möglichkeit zum "Landgang". Die Wasserschildkröte kann nur überleben, wenn sie ihrer individuellen Art entsprechend gehalten wird. Wasserschildkröten können schadlos außerhalb des Wassers

leben. Von Schildkröten der Gattung Chelodina ist z.B. bekannt, dass sie weite Landwanderungen unternehmen, wenn ihr natürliches Habitat ausgetrocknet ist. Allerdings können die meisten Wasserschildkröten-Arten anatomisch bedingt nicht an Land fressen - ihr Zunge ist am Kiefer festgewachsen und sie benötigen Wasser, um ihre Beute zu verschlucken.

 

Haltung der Wasserschildkröten

Für die ganzjährige Freilandhaltung ist in unseren Breiten nur die heimische Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis orbicularis) geeignet, die Überwinterung im Haus wird empfohlen, um Verluste zu vermeiden. Andere Wasserschildkröten, wie Schmuckschildkröten (aus den Gattungen Trachemys und Pseudemys) und Zierschildkröten (Chrysemys) können je nach Sommer-Art in den Teich gesetzt werden. Gewöhnliche Moschusschildkröten (Sternotherus odoratus) können den Sommer gut im Gartenteich leben, sollten am Ende der Saison aber wieder einzufangen. Infos zur artgerechten Haltung der verschiedenen unterschiedlichen Wasserschildkröten-Arten finden Sie hier

Die optimale Stoffwechseltemperatur der Wasserschildkröten beträgt 29-33 Grad; die Eier der Wasserschildkröten entwickeln sich nur bei 28-31 Grad. Wasserschildkröten müssen je nach Größe bei 28-30 Grad Luft- und Wassertemperatur gehalten werden, um Krankheiten zu vermeiden. Die optimale Stoffwechseltemperatur von 33 Grad wird hierbei unter der UV-Lampe erreicht. Bei niedrigen Temperaturen ist das Immunsystem von wechselwarmen Tieren schwächer und das Tier ist anfälliger für Krankheiten.

 

Beckengröße der Wasserschildkröten

Für Wasserschildkröten gilt das Gutachten für die Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien, welches für aktive Schwimmer folgendes besagt:

5 x Panzerlänge = Aquariumlänge;

die Hälfte davon = Breite;

Wasserstand 2 mal die Panzerbreite.

Diese Angaben sind für 2 Tiere derselben Gattung gedacht. Für jedes weitere addiert man 10% hinzu. Ab der 5.Schildkröte werden pauschal 20% dazugerechnet. Für eher lauernde und versteckt lebende Arten(zB Moschusschildkröte, Schnappschildkröte) rechnet man mit 3 mal Panzerlänge für die Länge, ansonsten bleibt alles gleich.

 

Die artgerechte Winterstarre bei Wasserschldkröten 

In der Ruhezeit der Wasserschildkröten werden die Lebensfunktionen des Tieres reduziert und die Schildkröte braucht weniger Sauerstoff - sie muss weniger oft auftauchen und kann bis zu mehrere Tage unter Wasser verbringen. Die Schildkröten müssen in der Natur diese futterarme und kalte Jahreszeit überbrücken und können aufgrund der fehlenden Wärme nicht oder nur minimal ihre Muskeln bewegen. 

Die Winterstarre der Wasserschildkröten kann jedoch im Gartenteich zur tödlichen Falle für einige Wasserschildkröten-Arten werden. Die eiskalte Überwinterung kann diverse Krankheiten auslösen und ist grundsätzlich mit einem Gewichtsverlust (bis zu 40%) verbunden, das kann für einige Wasserschildkröten tödlich enden. Auch Erblindungen durch Erfrierungen der Augenlider und der Augen können die Wasserschildkröten im Winter erleiden. Eine richtige Winterstarre der Wasserschildkröten wird bei 4-8°C durchgeführt, doch einige Schildkröten-Arten benötigen nur eine verminderte Aktivitätsphase bei 15-20°C und reduzierter Beleuchtung. Von der Herkunft der entsprechenden Schildkröten-Art hängt es ab, ob eine richtige Winterstarre oder eine verminderte Aktivitätsphase der Wasserschildkröte artgerecht ist.

Beleuchtung der Wasserschildkröten

Für eine vernünftige Haltung von Schildkröten sind eigentlich nur HQI Lampen geeignet, sie sind sehr hell und entsprechen weitgehend dem Spektrum des Sonnenlichtes. Diese Lampen sorgen für den Tag-Nacht-Rhythmus und eventuell für die nötigen 40°C am Sonnenplatz. Sollten die HQI nicht für 40°C am Sonnenplatz sorgen ist ein zusätzlicher Wärme-Spot nötig.

Leider ist die Menge des enthaltenen UV-Lichtes auch in den Reptilien-Röhren oftmals sehr gering. Darum können Sie alternativ das Aquarium mit einem HQI- Strahler oder einer ZOOMED-Powersun mit 160 Watt beleuchten. Die ebenfalls sehr hohe Lichtintensität lässt die Wasserschildkröten in schöneren Farben erstrahlen und steigert ihre Aktivität. HQI-Lampen haben warmes, dem Licht eines Sonnentages ähnelndes Licht. Die Schildkröten würden die wahrscheinlich bevorzugen, wenn Sie den Wasserschildkröten die Wahl überließen. 1-2 HQI-Strahler mit 70 Watt reichen für ein Becken bis 1,50 m Länge. Lieber etwas mehr, als zu wenig aber nie höher als 250 Watt, da das zu Verbrennungen der Schildkröte führen kann. Achten Sie bitte darauf, dass der Brenner ohne UV-Stopp ist.

 

Futter der Wasscherschildkröten

In der Natur fressen die meisten Wasserschildkröten-Arten ein Gemisch aus fleischlicher und pflanzlicher Kost. Einige Wasserschildkröten-Arten ernähren sich gänzlich carnivor, dann stehen auf dem Speiseplan: Schnecken, Süßwasserschwämme, Krebstiere, Fisch, Würmer, diverse Wasserpflanzen und Algen, auch Kleinstlebewesen wie Wasserflöhe und Tubifex (vor allem bei Wasserschildkröten-Jungtieren).

In Gefangenschaft sollte man das Futter der Wasserschildkröten dementsprechend ebenfalls möglichst abwechslungsreich gestalten, damit Sie keine Vitaminpräparate verabreichen müssen. Als Futter der Schildkröten eignet sich:

  • getrocknetes Futter 
  • Gammarus
  • Tubifexwürfel
  • rote & schwarze Mückenlarven, etc...
  • Aufgetautes Frostfutter
  • Lebendfutter
  • Regenwürmer
  • ab und zu mal typisches, fertig gekauftes "Terrarienfutter/Pellets"
  • Heimchen
  • überzählige Schnecken aus dem Aquarium
  • Aquarienpflanzen
  • Salat (eher wenig)
  • Löwenzahn (Blätter)
  • Wasserpflanzen wie Wasserpest, Hornkraut oder Seerosen

Bei der Zusammensetzung des Futters für die Wasserschildkröten sollten Sie darauf achten, dass der Proteingehalt des Futters zwar ausreichend vorhanden ist, aber auch nicht zu hoch. Die meisten käuflichen Futtermischungen und Pellets haben einen zu hohen Proteingehalt von 40%, das kann Leberschäden bei den Wasserschildkröten hervorrufen. Grillen oder Schnecken sind sehr nahrhaft, haben allerdings nur 20% Proteinanteil. Auch bei Fett und Zucker sollten Sie bei den Wasserschildkröten vorsichtig sein, Obst nur in kleinen Mengen und fettreiches Fleisch und Mehlwürmer nur zum Aufpäppeln oder ab und zu als Leckerli geben.

Für den Knochenbau muss das Ca : P (Calzium : Phosphor) Verhältnis unbedingt  1.3 : 1.0 betragen, um Fehler im Knochenbau und Rachitis zu vermeiden.

 

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