Gefühle und Intelligenz der Tiere

Haben Tiere Gefühle?

In deutschen Haushalten leben ungefähr 23 Millionen Haustiere (ohne Fische, Amphibien und Reptilien). Doch was empfinden sie - und denken diese Tiere eigentlich etwas? Die Tier-Verhaltensforschung behauptete bisher, Tiere hätten keine Gefühle. Das stimmt aber nicht, Tiere zeigen ihre Gefühle. Den Ethologen standen bisher nur keine Methoden zur Verfügung, die Gefühle der Tiere zu bewerten, da in der Wissenschaft alles gemessen und reproduziert werden muss. Doch mittlerweile lassen sich die Gefühle oder Emotionen der Tiere auch durch neurophysiologischer Methoden beweisen.

Zahlreiche Studien konnten bei Tieren nicht nur differenzierte Emotionen und Empathievermögen nachweisen, sondern auch deren soziale und kommunikative Bedeutung aufdecken. Es gibt durchaus Freundschaften zwischen Tieren derselben Spezies und sogar über Tierarten-Grenzen hinaus. Viele Tierarten gehen Freundschafts- Beziehungen untereinander ein, das wurde nicht nur kürzlich bei Fledermäusen nachgewiesen, sondern es wird ständig im Internet bewiesen.  

Tiere sind sehr gefühlvolle, verspielte und verschmuste Freunde 

Hunde sind oft die besten Freunde des Menschen. Der Hund knurrt Fremde böse an - himmelt aber sein Herrchen treuherzig an! Hunde zeigen ihre Gefühle, indem sie sich fast vor Freude überschlagen, wenn die Bezugspersonen nach Hause kommen. Katzen streichen liebevoll um Frauchens Beine, um ihre Freude darüber zum Ausdruck zu bringen, dass die geliebte Person endlich wieder da ist. Auch ein Pferd geht mit seinem Besitzer am Liebsten eine lebenslange enge Bindung ein. Als Paare gehaltene Meerschweinchen leben länger, weil der deutlich höhere "Liebes- und Glückshormons" Oxytocin im Körper des Meerschweinchen sich positiv auf die Gesundheit des Tieres auswirkt. Ein Tempelaffe, adoptiert ein Kätzchen, eine Hündin freundet sich mit einer Eule an, eine Katze bemuttert Küken, die andere adoptiert Eichhörnchenbabys und zieht die kleinen liebevoll auf. Die Bilder dieser ungleichen Freunde rühren unser Herz und beweisen, dass Tiere Gefühle und eine soziale  Kompetenz und Verantwortung übernehmen.

    

Trauer und Freude der Tiere

Tiere leiden und trauern genau wie wir, sie finden nur eine andere, eigene Art, dieser Trauer Ausdruck zu verleihen. Elefanten kehren häufig beim Unfall eines Artgenossen tagelang zur Unfallstelle zurück, weil sie hoffen, dass ihr Gefährte nur verletzt ist und von ihnen gerettet werden kann. Wenn ein Elefant eines natürlichen Todes stirbt, bedecken ihn die anderen Tiere der Herde mit Gestrüpp und kleinen Ästen. Doch dass Elefanten richtig trauern, bewiesen 2013 eine Horde Elefanten, als ein Zug in der Nähe des Dorfes Matari, im Osten Indiens, mit einem Elefanten kollidierte und ihn tötete. Die Elefanten der Herde des getöteten Elefanten überraschten mit ihrer Trauer, indem diese 15 Elefanten sich tagelang weigerten, sich von der Unglücksstelle wegzubewegen, was zu Störungen des Zugverkehrs führte. Die Tiere beschädigten in ihrer destruktiven Trauer/Wut umliegende Häuser und demolierten Teile eines Schulgebäudes. 

Auch Gorillas und Schimpansen empfinden tiefe Trauer, wenn ein Artgenosse verstorben ist. Das vermeintliche Grinsen beim Affen wird oft als Freude interpretiert, scheint jedoch eher ein "Angstgrinsen" und eine Geste der Unterwerfung zu sein. Aber Affen lachen tatsächlich, z.B. setzen Schimpansen ganz gezielt ein Lachen in geselligen Situationen ein - etwa, um mit anderen Affen "warm zu werden". Die Tiere "äffen" dabei das Lachen des Anderen nicht nur nach, sie geben ihm eine eigene soziale und emotionale Bedeutung, sagen britische Wissenschaftler. 

 

 

Kurz andauernde, spontane Gefühle der Tiere

Bei der Beurteilung kurz andauernder Gefühlszustände der Tiere beurteilten die Verhaltensforscher das Tier-Verhalten - insbesondere das Ausdrucksverhalten. Wichtig dabei war die Gesamtsituation des Tieres, die aktuelle Lebenssituation in der sich das Tier gerade befindet, sowie das artspezifische Verhalten der betreffenden Tierart / Tierrasse. Auch das Alter des Tieres ist bedeutend, da Tiere im höheren Alter sich immer schlechter an veränderte Situationen anpassen können. 

Die Ethnologen haben festgestellt, geht ein Tier mit Interesse auf einen Gegenstand zu, kann daraus geschlossen werden, dass ihn dieser Gegenstand angenehm ist und/oder interessiert. Meidet es hingegen diesen Gegenstand - oder zeigt das Tier durch die Körpersprache oder akustisch Anzeichen der Ablehnung, dann ist es dem Tier unangenehm, es hat vielleicht sogar Angst oder lehnt den Gegenstand ab. 

 

Tierärzte, Tiertrainer oder Tierpfleger müssen täglich die Gemütszustände der Tiere richtig einschätzen und beurteilen, um die befriedigende (ungefährliche) Zusammenarbeit zu gewährleisten. Im Alltag erleben Tierbesitzer die Gefühlszustände Ihres Tieres ebenfalls in vielen Alltagssituationen: Wenn Sie als Hundebesitzer nach der Hundeleine greifen, wedelt der Hund intensiv mit dem Schwanz und rennt (sich immer wieder im Kreis um sich selbst drehend - jedenfalls mein Amigo) zur Tür. Schwanzwedelnd zeigt der Hund seine „Freude“ auf den kommenden Spaziergang.  

 

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Ich kann meine Gefühle verstecken....      ich nicht! Muss ich ja auch nicht, bin ja ein Mädchen! 

 

Unsicherheit und Angst beim Tier

Ein angebundenes Tier, dass einer herannahenden Gefahr nicht entweichen und die Situation nicht bewältigen kann, zeigt durch sein Verhalten seine offensichtliche Unsicherheit/Angst. Ein nicht angebundenes Tier würde entweder fliehen oder "die herankommende Gefahr" bedrohen, je nach Situation, Tierrasse, Wesen / Charakter des Tieres.  Das Tier, dass die Situation beherrscht, drückt seine Sicherheit ebenfalls durch sein Verhalten aus. Selbst wenn vorher die Flucht stattfand, rettete diese Flucht in der Tier-Welt oft genug das Leben, dementsprechend ist das Tier stolz, wenn ihm die Flucht gelungen ist und es kommt selbstsicher zurück. Ein Pferd schlägt z.B. stark mit dem Schweif, wenn das Pferd überfordert ist. Die Situation "Überforderung" ist für das Pferd nur schwer zu ertragen, das Tier ist verunsichert. Auch Pferde, die von Artgenossen gemobbt oder vom Futter weggejagt werden, zeigen deutlich ihr unsicheres, ängstliches Verhalten beim Zusammentreffen mit anderen Pferden. Hunde, die gebissen wurden, bellen aggressiv, wenn sich ihnen Hunde der gleichen Rasse nähern, von den sie einmal attackiert wurden. Katzen fliehen vor Hunden und die Hunde sind stolz, die Katze verjagt zu haben. 

 

Wenn Tiere leiden

Wenn ein Gefühlszustand wie „unangenehm“ oder „unsicher“ für Tiere stunden- oder tagelang anhält, spricht man von „Leiden der Tiere“.  Leiden sind lt. Tierschutzgesetz alle - vom Begriff des Schmerzes nicht erfassten - Beeinträchtigungen im Wohlbefinden des Tieres, die über schlichtes Unbehagen hinausgehen und einen längeren Zeitraum andauern. Der Deutsche Tierschutzbund kritisierte  2011, dass Nutztiere immer noch "zurechtgestutzt", Ferkel ohne Betäubung kastriert, Hühnern der Schnabel und Rindern die Hörner abgeschnitten werden. Wanderzirkusse dürfen Wildtiere halten. Seit 1931 gibt es die Gedanken zum Schutz der Tier, alljährlich am 4. Oktober findet der Welt-Tier-Schutz-Tag statt, am Todestag von Franz von Assisi, dem Schutzpatron der Tiere. Der Welttierschutztag soll auf das Leid gequälter Tiere aufmerksam machen. Um Schmerz als "Leiden" zu empfinden, brauche es ein Bewusstsein. "Ohne Bewusstsein gibt es keinen Schmerz", sagt Professor Robert Arlinghaus vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, wenn es um die Diskussion geht, ob Angler als Tierquäler gelten. Fische sind nur instinktgesteuerte Kaltblüter, mit winzigen Gehirnen, ohne Erinnerung, Gefühle oder Schmerzen, dennoch versuchen Angler, ein denkbares Leid beim Fisch so gering wie möglich zu halten, indem der Fisch möglichst schnell betäubt und getötet wird. 

Victoria Braithwaite, Verhaltensforscherin der Penn State University in den USA führte Experimente zum Schmerzempfinden von Fischen durch. In langen Versuchsreihen fanden Victoria Braithwaite und ihre Kollegen heraus, dass Fische "überraschend schlau" sind und sehr schnell lernen. Die Frage, ob Fische Schmerzen empfinden, sollte geklärt werden indem sie Forellen anästhesierte und ihnen Essigsäure ins Maul spritzte. Die gequälten Fische fraßen nicht mehr, verloren ihren Fluchtreflex und hatten einen deutlich erhöhten Herzschlag. Dieselben Reaktionen wurden bei Säugetieren festgestellt, die unter Schmerzen leiden. Die Fische mit der Essigsäure im Maul rieben ihre Mäuler, jagten durchs Becken und suchten eine harte Oberfläche um ihre Mäuler daran zu reiben! Selbst wenn nicht feststeht, warum sie es taten, wird die Essigsäure unter ihrer Haut gejuckt, gebrannt und vermutlich genau so weh getan haben, wie sie uns tut, wenn wir uns schneiden und Säure auf die Wunde bekommen. Dass Fische ein Schmerzbewusstsein haben, sei damit allerdings noch nicht bewiesen, es könnte ja rein reflexartige Reaktionen gewesen sein. Weitere Versuche werden wohl folgen.... 

 

 

Tiere und tierische Intelligenz verstehen

Tiere „verstehen“ unsere verbale Sprache am Besten, wenn es sich um Wiederholungen bestimmter Worte - möglichst mit gleicher Betonung - handelt. Aber es gibt andere Kommunikationsformen zwischen Mensch und Tier. Meine Hunde reagieren, wenn ich wortlos mit dem Finger Zeichen gebe. Die meisten Menschen betrachten sich selbst als Mittelpunkt und höchstes Ziel des Universums. Sie bezeichnen nur die Tiere als intelligent, die dem menschlichen Verhalten und Handeln am Nächsten kommen. Dazu zählen Delfine, Schimpansen und Hunde - oder Tiere, die sich auf die Wort- und Zeichensprache des Menschen einstellen und darauf für "Menschen nachvollziehbar reagieren und agieren. Wer denkt, dass die Tiere eigentlich grundsätzlich stumm, dumm und gefühllos sind, der liegt falsch. Ein harmonisches Miteinander ist möglich, wenn wir die Erfahrungen und das Leben der Tiere gleichwertig mit unserem eigenen Erfahrungen in unserem Leben setzen, selbst wenn sich die Ausdrucksform des Tieres noch so stark von unserer Kommunikations- und Lebensform unterscheidet.

Zur Beurteilung tierischer Intelligenz gehen viele davon aus, dass sich Tiere in bestimmten Situationen ähnlich wie wir Menschen verhalten sollten. Aber Tiere verfügen über einen völlig anderen Erfahrungshintergrund, soziale und artspezifische Überleben,- und Fortpflanzungsstrategien und Lebensweisen selbst innerhalb der gleichen Spezies unterschieden sich ja bereits voneinander. Selbst Welpen innerhalb eines Wurfes entwickeln sich charakterlich unterschiedlich. Jede Tierart hat seine eigene Lebensform und Lebenswirklichkeit und ist der Evolution seit Generationen der Tierart angepasst. Jedes Tier verfügt über eigene, spezielle Erfahrungen, die er selber in seinem Leben gesammelt hat. Das alles beeinflusst die Verhaltensweisen, Reaktion, Fähigkeiten und Ausdrucksformen jedes einzelnen Tieres. Tiere drücken es aus, indem sie sich z.B. weigern, bestimmte Bereiche zu betreten, wenn sie dort negative Erfahrungen gesammelt haben. Hunde, die sich freuen, einander zu sehen, spielen miteinander, wedeln mit dem Schwanz, springen sich an, bellen und zeigen sich ihre Freude überdeutlich. Auch negative Gefühle der Hunde wird offenkundig, durch Bellen, anknurren, den Schwanz einziehen, oder sich sogar auf den Rücken werfen. Diese "Gefühlsäußerungen" wie Freude, Unsicherheit oder Angst der Tiere können sogar so intensiv sein, dass sie beim Tier Fluchtverhalten auslösen.  

 

Logische Intelligenz einiger Tierarten

Der Blindenhund trifft verantwortungsvolle Entscheidungen für die von ihm betreute Person. Der Fuchs, der die Jagdhunde austrickst um sein Leben zu retten. Hunde- oder Katzenhalter erleben immer wieder, wie geschickt ein Tier seine eigenen Interessen und Vorlieben durchzusetzen weiß. Es kann zwar als reines Instinktverhalten abgetan werden, dass die Tiere (mehr oder weniger) die Anweisungen des Menschen befolgen, aber Tiere haben die Fähigkeit zu fühlen, Schlüsse zu ziehen und logisch in Zusammenhängen zu denken. Menschen können sich mit Tieren verständigen, wenn es uns gelingt, dass die Tiere unsere "Frequenzen der Worte, Gesten und Zeichen" empfangen und wir ihre Signale erkennen, verstehen und respektieren, dann entsteht eine entspannte, vertrauensvolle und interessante Freundschaft zwischen diesem Menschen und seinem Tier.

 

Mit einem kurzem Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken als ein Mensch mit stundenlangem Gerede.

Louis Armstrong 

 

Verhaltensstudien und moderne Erkenntnisse der Gehirnforschung bescheinigen vielen Tierarten die Charakteristika von Personen. Die Forderung, dass den Tieren Persönlichkeitsrechte zugestanden werden sollte, scheint die logische Konsequenz 

Vor hundert Jahren war es eine Sensation, dass ein Schimpanse Werkzeug benutzen kann. Heute sehen wir, dass mehr Fairness, Verantwortungsgefühl und Moral im Tierreich herrscht, als einige Menschen haben. Wir entdecken Kultur, Mitgefühl, Verstand, soziales Denken und Verhalten, strategische Planung bei den Tieren und wir kennen die soziale Interaktion vieler hochentwickelter Tierarten. Wenn diese hochentwickelten Tiere in den Charakteristika den Menschen in nichts nachstehen, müssten wir ihnen dann konsequenterweise nicht die gleichen Rechte zugestehen?

 

Einige Tierarten handeln als mitfühlende, selbstbewusste Individuen und beweisen ihre Fähigkeit zum strategischem Denken und Handeln. Sie leben zwar entsprechend ihrer eigenen Tierart und Lebensweise, biologischen Evolution, ihren eigenen ethnologischen Anpassungen an die Natur. Aber Tiere beweisen, dass sie ein gutes Gedächtnis, die Fähigkeit haben, auf ihre eigene Weise miteinander zu kommunizieren. Tiere benutzen "Werkzeuge", verhalten sich empathisch, verfügen über einen einfachen Gerechtigkeitssinn, Beschützer- Instinkt und Fairness. Diese grundlegenden Fähigkeiten macht Menschen zu Personen und verleiht uns die Persönlichkeitsrechte. Doch worin besteht der Unterschied? Wer gibt uns das Recht, diese Sonderstellung zu behalten. Denn die traurige Wirklichkeit von Zirkus- und Zootieren besteht aus Leid, Entbehrung und Tod. Löwen, Tiger, Elefanten, Seelöwen und andere Tiere, deren Leben in Freiheit voller neuer Abenteuer und Erfahrungen sein sollte, sie werden zu einem Leben voll Monotonie sich ständig wiederholender Kunststücke verurteilt. Ihr Leben lang eingesperrt, nichts als Stress, Verwirrung und physische Schmerzen für die Tiere, die gegen ihren Willen ihr ganzes Leben so dahinvegetieren müssen. 

   

 


Die Tiere haben das Recht auf eine Welt, in der die Bedürfnisse der Tiere respektiert werden und wir sie nicht mehr einsperren, misshandeln oder gar töten. Wie wir Menschen, haben Tiere ein Recht auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit. Jeder Tierbesitzer, der sein Haustier liebt, sollte sich für die Tiere einsetzen und zum Anwalt der Tiere werden.  Denn wir wissen doch am Besten, wie schön es ist, vom eigenen bezaubernden Tierchen einfach um den Finger gewickelt zu werden. Wir erleben tagtäglich, wie das Tier versucht, mit uns zu kommunizieren um seinen Willen durchzusetzen. Wir können diese Tierliebe allen Tieren gegenüber aufbringen, die gleichen Moralvorstellungen und Verantwortungsgefühl entwickeln und darauf achten, dass sie unser Handeln und Denken grundsätzlich mitbestimmen. Das wäre eine wichtige Stufe der moralischen Evolution.

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